Vita von Petra Fischer

  • 1959 in Lich (D) geboren
  • In den 1990er Jahren hat sie die Malerei für sich entdeckt. 
  • Durch klassische Zeichnen- und Aktkurse im In- und Ausland fand Sie schnell den Weg in die Abstraktion und arbeitet heute am liebsten in Großformaten.
  • Sie ist Meisterschülerin von Prof. Hermann Nitsch.
  • Lebt und arbeitet in Lich (D).

Margit Althaus - Kunsthistorikerin - über Petra Fischer:

Über Jahrhunderte war die Kunst einem Wertgefüge eingeordnet, das ihr nicht nur die Themen zuwies, sondern auch für die Gesellschaft zu leistenden Dienste abforderte. Die Kunst hatte von daher eine dienende Funktion, es gab nur eine Sprache, visuell erlebte Natur bildnerisch zum Ausdruck zu bringen: die akademische Stilsprache und die damit verbundenen naturalistische Malerei.

Heute beinhaltet die Loslösung der Malerei der Klassischen Moderne vom Prinzip dieser mimetischen Abbildung auch eine Auseinandersetzung mit den Wirkungsmöglichkeiten der Farbe im Bild als Ausdruckswert und Gestaltungswert des Bildgeschehens. Es geht also um die faktische Befreiung der Farbe zum Zwang der Gegenstandsbeschreibung, um die Farbgebung als visuelle Konstitution des Motivs, sowie um die Farbe in der Malerei der reinen Farbe.

In diesem Zusammenhang könnte der von Petra Fischer zitierte Satz von Paul Klee: „Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“ ein Schlüssel zum Werk der Künstlerin sein.

Nach Paul Klee (1879-1940) ist die Kunst ein selbst entsprungenes Tun, das aus äußeren Sehweisen nicht hergeleitet werden kann und für welche der Begriff der Sichtbarkeit keine Anschauungsbeziehung, sondern eine Ausdrucksbeziehung beschreibt.

Petra Fischers künstlerische Veranlagung äußert sich darin, die objektiven, sichtbaren Gegenstände in der Vorstellung mit den subjektiven, innerkünstlerischen Formen zu verschmelzen und zu einer neuen objektiveren, nämlich der der künstlerischen Wirklichkeit zu gelangen. Sie stellt an ihre Malerei als schöpfende Tätigkeit die Forderung nach Gestaltung, die dem sehenden und nicht wiedererkennenden Sehen verpflichtet ist. Mit der völligen Befreiung der Farbe vom Gegenstand und der damit einhergehenden Loslösung vom wiedererkennenden Sehen in der Abstrakten Kunst erfährt die Entwicklung des Eigenwertes der Farbe einen neuen Höhepunkt. Ihr Bild, Acryl auf Leinwand oder auf Holz, hat kein anderes Ziel als durch sich selbst ein visuelles Ereignis zu sein.

Was entsteht, hat mit der Malästhetik im traditionellen Sinne wenig zu tun. Petra Fischer nutzt die Motivvokabeln, um ihre Bilder zu pulsierenden Aufbrüchen durch Farbe zu führen. Dieser Niederschrift der Farbmaterie mit großem Pinsel oder Spachtel in übereinander liegende Farbschichten hat auch etwas körperhaftes Physisches und Psychisches. Dieser Malvorgang wird durch die fast reliefartig aufgetragenen mehrschichtigen Farben, die von der Malerin auch immer wieder herausgekratzt werden, um die darunter liegenden Farbschichten sichtbar werden zu lassen, spürbar. Es entstehen Erhöhungen und Vertiefungen auf dem Bildgrund, Materialien wie Spachtelmasse, Schafswolle, Pinienholzästchen kommen hinzu.

Der malerische Vorgang – inspiriert auch über ihre Natureindrücke auf Mallorca – wird in eine Selbstbefindlichkeit von Malerei transportiert, die aus der Befindlichkeit der Malerin Petra Fischer kommt. Dabei ist das Motiv nur Anlass für reine Malerei.